Bilder, Videos und das Urheberrecht – Wie kann ich meine Arbeit schützen und wie vermeide ich Rechtsverletzungen Dritter? – Teil 1

Internetanwendungen im Allgemeinen und Social-Media-Content im Speziellen sind sehr bild-/videolastig. Nie war es dabei so einfach wie heute, an ansprechende und passende Bilder zu kommen. Im Internet finden sich Motive für jeden Anlass in allen gewünschten Größen und Auflösungen. Dabei kann ein Bild oder Video anderen Content unterstützen oder selbst der Content sein. Ziel ist immer das Erreichen der Aufmerksamkeit der Zielgruppe, um diesen Content zu teilen, zu bewerten oder zu diskutieren.

Gleichzeitig haben sich findige Menschen darauf spezialisiert, rechtswidrige Bild-/ Videonutzungen kostenpflichtig abzumahnen. Dabei fallen je nach Menge und Art der rechtsverletzenden Inhalte schnell Kosten zwischen ca. EUR 500,00 und EUR 2.000,00 für den geltend gemachten Schadensersatz, sowie fremde und eigene Rechtsanwaltskosten an. Außerdem wird der Abmahnende die Abgabe einer Unterlassungserklärung fordern. Bei Verstößen gegen diese drohen Vertragsstrafen zwischen ca. EUR 2.000,00 und EUR 5.000,00.

Wegen der zentralen Rolle von Bildern und Videos für Social-Media-Aktivitäten, der Verfügbarkeit von Bildern und der gleichzeitig leichten Auffindbarkeit ist es daher besonders wichtig, den rechtlichen Rahmen der Nutzung von (eigenen oder fremden) Bildern und Videos zu kennen und einzuhalten.

Social Media = rechtsfreier Raum?

Oft gehen Menschen davon aus, dass die im Internet verfügbaren Inhalte nach Belieben genutzt und weiterverbreitet werden dürfen. Das ist ein Trugschluss mit gegebenenfalls erheblichen negativen finanziellen Folgen. Nur weil etwas im Internet leicht verfügbar ist, darf man es nicht ohne weiteres nutzen. Tatsächlich ist der weit überwiegende Teil der im Internet abrufbaren Medien (Bilder, Videos, Musik) urheberrechtlich geschützt.

Was wird durch das Urheberrecht geschützt?

Das Urheberrecht schützt das Recht des Urhebers an seinem Werk. Werke sind solche der Literatur, Wissenschaft und Kunst, wobei dies sehr weit zu verstehen ist. Neben diesen Werkkategorien sind unter anderem auch Fotografien („Lichtbild“/„Lichtbildwerk“) und Filmaufnahmen („Filmwerk“/„Laufbild“) geschützt. Dadurch werden sowohl als besonders künstlerische Aufnahmen als auch als weniger künstlerische Aufnahmen geschützt, so dass fast jedes Foto und jeder Videoclip urheberrechtlich geschützt ist. Nachfolgend wird zur verbesserten Lesbarkeit nur von Bildern/Fotos gesprochen, die Regelungen gelten aber auch für Videos.

Wer ist Urheber und was sind seine Rechte?

Urheber eines Fotos ist der Fotograf, also derjenige, der das Foto gemacht hat. Er kann grundsätzlich als einziger über das Bild an sich und über alle Nutzungsrechte an dem Bild frei verfügen. Das bedeutet, dass der Fotograf zwar Urheber des Bildes ist, es aber Dritten erlauben kann, das Bild in bestimmter Weise für ihre Zwecke zu benutzen. Diese Rechteeinräumung nennt man Lizenzerteilung.

Aus Gründen der Rechtssicherheit sollte eine solche Rechteeinräumung vertraglich geregelt werden. Hierbei sind verschiedenste Gestaltungen möglich. Insbesondere kann der Urheber (Lizenzgeber) die Nutzungsrechte für verschiedene Nutzungsarten (z. B. Internet, Fernsehen, Produktkataloge) jeweils an eine oder verschiedene Personen (Lizenznehmer) übertragen. Die Lizenznehmer können entweder alleinig zur Nutzung innerhalb der Nutzungsart berechtigt sein (ausschließliche/exklusive Lizenz) oder neben anderen (einfache Lizenz). Darüber hinaus kann der Lizenzgeber den Lizenznehmer berechtigen, seinerseits weitere Lizenzen an Dritte (Unterlizenzen) zu vergeben. Je nach Lizenzart kann auch der Lizenznehmer berechtigt sein, gewisse Urheberrechtsverletzungen im Rahmen einer Abmahnung geltend zu machen. In welchem Umfang und für welche Dauer Rechte übertragen werden sollen, hängt davon ab, wie der Lizenznehmer die Fotos nutzen möchte und ob der Urheber damit einverstanden ist.

Die unterschiedlichen Rechteeinräumungen wirken sich in der Regel auf die zu zahlende Vergütung für die Nutzung aus. Als Richtschnur kann man davon ausgehen, dass die Lizenzgebühr umso höher ausfällt, je mehr Rechte dem Lizenznehmer eingeräumt werden und je exklusiver die Lizenz ist.

Was muss der Urheber beachten, wenn er ein Foto veröffentlichen will oder dies Dritten gestatten möchte?

Der Fotograf ist Urheber eines Fotos und kann deshalb eigentlich nach Belieben mit dem Foto verfahren. Etwas Anderes gilt allerdings, wenn auf dem Foto Personen erkennbar sind. Jedem Mensch steht grundsätzlich das Recht zu, selbst darüber zu bestimmen, ob eine Aufnahme von ihm verwendet wird, wenn die Person individuell erkennbar ist und kein „Beiwerk“ auf dem Foto ist. Gesetzlich ist dies in § 22 des Kunsturheberrechtsgesetzes geregelt, Ausnahmen finden sich in den §§ 23 und 24. Ob der Fotograf eine solche Aufnahme veröffentlichen darf, sollte im Zweifelsfall durch einen spezialisierten Rechtsanwalt geklärt werden.

Vorliegend gehen wir davon aus, dass nur solche Aufnahmen verwendet werden sollen, bei denen die Fotografierten mit dem Foto einverstanden sind. Spätestens wenn der Fotograf aber ein solches Foto kommerziell nutzen möchte oder dies Dritten gestatten möchte, benötigt er die Einwilligung der abgebildeten Person hierzu (sogenannter „Modelvertrag“ oder „Model Release“). Hierbei handelt es sich um einen Vertrag mit der abgebildeten Person, der zumindest die Dauer der Nutzung, die Vergütung und die erlaubten Nutzungsarten regelt (die abgebildete Person muss also wissen, wofür das Foto benutzt werden soll). Ohne die Einwilligung der abgebildeten Person, kann diese gegen veröffentlichte Fotos vorgehen und Unterlassung und Schadensersatz fordern.

Diese Grundlagen des Urheberrechts sind für jegliche Social Media Aktivitäten von hoher Relevanz. Welche konkreten Regelungen bei der Bildrecherche und Veröffentlichung von Inhalten für Sie als Social Media Manager außerdem gelten, erfahren Sie im zweiten Teil dieses Beitrages.

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