Mehr als 150 Branchenexperten kamen am 3. und 4. November am IT-Standort Jena zusammen, um unter dem Motto „More connected to consumers lives“ über die Zukunft des Handels zu sprechen.

Wie kann dem Kunden mit Hilfe von Technologie on- und offline ein reibungsloses Einkaufserlebnis ermöglicht werden? Welche Chancen ergeben sich dabei durch Mobile Payment? Wie kann die digitale Vernetzung das Reisen verbessern? Welche Hürden liegen vor der Implementierung? In Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops wurden diese Problemstellungen zu den Schwerpunkten digitales Marketing, mobiles Bezahlen sowie Reise und Verkehr erörtert.

Newstore setzt Maßstäbe in Sachen Connected Commerce

Als Keynote Speaker war Stephan Schambach, Gründer der beiden E-Commerce Software Riesen Intershop und Demandware, geladen. Mit seinem neuen Projekt Newstore stellte er eine mobile Handelsplattform der Zukunft und ein Idealmodell für Connected Commerce vor. Er zeigte dabei auf, wie Vernetzung mit dem Kunden und Mobile Payment das Einkaufen im stationären Handel reformieren können. Newstore will dabei die Balance aus dem realen Einkaufserlebnis im Laden und dem Service eines Onlinehändlers, welcher die Kaufhistorie und persönliche Präferenzen seiner Kunden kennt, herstellen.

Digitales Marketing jetzt und in Zukunft – Chancen und Herausforderungen

Weitere Ideen, wie digitales Marketing heute und morgen den stationären Handel verändert, und welche Rolle dabei mobiles Bezahlen spielt, wurde in anschließenden Diskussionsrunden noch ausführlich debattiert. Branchenvertreter plädierten für eine bessere Vernetzung von On- und Offline Handel sowie Marketingstrategien, die beides umfassen und kombinieren.

Dabei spielt Personalisierung eine ganz entscheidende Rolle: Ob nun beim Stammbäcker um die Ecke oder im Newsletter – User wollten schon immer personalisiert angesprochen werden, wie die Diskussionsteilnehmer betonten. Zwar blicken besonders deutsche Kunden oft eher kritisch auf die Verwendung ihrer persönlichen Daten zu Werbezwecken – jedoch vertrauen sie auch jenen, die verantwortungsvoll damit umgehen und schätzen es, wenn sie daraus einen persönlichen Nutzen ziehen können.

Das Gleiche gilt für die Einführung und Nutzung von Mobile Payment Systemen. Branchenvertreter stellten fest, dass Kunden hier oft die Transparenz fehlt, um Vertrauen in ein System aufzubauen. Sie nutzen stattdessen vorzugsweise bereits etablierte Zahlungsmethoden, obwohl diese objektiv betrachtet unsicherer sind als neue technologische Möglichkeiten.

Die Teilnehmer stellten außerdem fest, dass Social Media als Kontaktpunkt zum Kunden im Marketing eine wichtige Rolle spielen könnte und sollte. Soziale Medien kennen die Präferenzen ihrer Nutzer, sie wissen, wofür diese sich interessieren und was ihnen gefällt. Social Media weiß, wie man die Kunden im Alltag erreichen kann, und sollte deshalb integraler Bestandteil von Marketingkampagnen sein. Dabei kann die Präsenz auf vielen verschiedenen Kanälen eine Marke zusätzlich stärken und beim Aufbau von Kundenloyalität helfen.

Eine ganz entscheidende Bedingung muss jedoch zuvor gegeben sein – und zwar die Bereitschaft der Händler! Sie sind es, die durch digitale Vernetzung gegebenenfalls bestehende und derzeitig noch funktionsfähige Systeme, Prozesse und Denkweisen umwerfen müssen, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Die Diskussion zeigte, dass dafür eine große Portion Mut der Händler gefordert ist. Mut können die Händler aber nur dadurch gewinnen, indem die Digitalbranche stärker auf ihre Bedürfnisse und Bedenken eingeht und ihnen Potenziale aufzeigt, welche die neuen technologischen Möglichkeiten bieten.

Wie die digitale Vernetzung das Reisen verändert

Neben dem Handel bieten sich auch in der Reisebranche vielfältige neue Perspektiven, wie Beatrice Gola von HRS in ihrem Vortrag aufzeigte. So könnte beispielsweise zukünftig der Aufenthalt in fremden Städten und Hotels durch Personalisierung von Hotelräumen nach persönlichen Vorlieben zur Raumtemperatur bis hin zur Bestückung der Mini-Bar angenehmer gestaltet werden. Echtzeitinformationen zum lokalen Nahverkehr und mobile Check-out könnten außerdem Zeitplanung und Orientierung erleichtern. Hier zeigt sich ganz deutlich: Der Kunde und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt – eine entscheidende Voraussetzung, um neue Technologien erfolgreich einzusetzen.

Zum Ausklang des Tages fanden sich die Teilnehmer im Scala Turmrestaurant in der 28. Etage des JenTowers ein. Bei phänomenaler Aussicht auf das nächtliche Jena, Essen und Getränken konnte weiter diskutiert und neue Kontakte geknüpft werden.

Zunehmende weltweite Vernetzung als Chance für Handel und Verkehr

Der zweite Tag begann mit aktuellen Daten, Zahlen und Fakten zur weltweiten Internetnutzung. Walter Freese vom Marktforschungsinstitut TNS Deutschland präsentierte neuste Ergebnisse aus einer repräsentativen Forschung und erläuterte, welche Bedeutung diese für das Onlinemarketing haben. Es wurde beispielsweise festgestellt, dass der durchschnittliche iPhone Nutzer quasi ständig online ist – er entsperrt sein Handy 83-mal am Tag, also ungefähr alle 11 Minuten. Dabei nutzen die 16 bis 24-Jährigen im Durchschnitt mindestens drei verschiedene Social Media Plattformen täglich. Sie sind es auch, die im Vergleich zu anderen Altersgruppen personalisierte Werbung, die ihnen Mehrwert bietet, im Austausch für ihre Daten besonders befürworten. Die Studie ergab außerdem, dass Menschen immer häufiger Videos schauen – allerdings nicht über das Fernsehen, sondern auf alternativen Plattformen wie YouTube, Vimeo oder Facebook.

Nicht zuletzt dadurch war eine gute Diskussionsgrundlage für die darauffolgenden Workshops zu den Themen Connected Commerce, Smart Mobility und Mobile Payment im E-Commerce gegeben.

Auch hier wurde wieder deutlich, dass sich durch die zunehmende Internetdurchdringung in Deutschland und der Welt sowie der ansteigenden Nutzung mobiler Geräte viele Chancen und Kontaktpunkte zu Kunden und Reisenden ergeben. Jedoch stellt die Implementierung neuer Technologien, ob nun im Handel oder im öffentlichen Nahverkehr, komplizierte Prozesse dar, welche die Zustimmung und Bereitschaft vieler verschiedener Parteien erfordern. Auch hier kamen die Teilnehmer wieder zu der Erkenntnis: Neue Entwicklungen können nur auf einer Basis von Vertrauen und Transparenz auf beiden Seiten gefördert werden.

Connected Commerce Days 2015 – Ein Fazit

Die Konferenz zeigte, dass sich aus technologischer Seite unglaublich viele Möglichkeiten ergeben. Man darf jedoch nicht aus dem Auge verlieren, um wen es dabei im Endeffekt geht: nämlich um den Kunden. Das innovativste mobile Bezahlsystem nützt nichts, wenn ihm die Kunden nicht vertrauen und es deshalb nicht verwenden. Personalisierung nützt nichts, wenn Kunden von zu vielen Push-Nachrichten auf ihrem Handy genervt werden und sie deaktivieren. Wir müssen also einen Dialog und Transparenz herstellen, um Kunden die Vorteile neuer Einkaufsmöglichkeiten zeigen und Vertrauen schaffen zu können. Social Media könnte dabei ein wichtiger Kontaktpunkt sein, da hier bereits eine enorme Reichweite besteht und die sozialen Medien ihre User, deren Interessen und Präferenzen genau kennen.

Ebenso muss die Digitalbranche auch mit dem Handel in einen Dialog treten. Die Potentiale, die sich durch digitale Vernetzung bieten, können nur mit der Bereitschaft und der notwendigen Portion Mut genutzt werden. Dafür waren die Connected Commerce Days ein wichtiger Schritt, um zwischen Digitalbranche und Handel einen Anschluss herzustellen, und dabei die Bedürfnisse der Kunden als oberste Priorität miteinzubeziehen.

Insgesamt waren die Connected Commerce Days in Jena eine rundum gelungene Veranstaltung und wir sind auch im nächsten Jahr gern wieder als Sponsor mit dabei.

Quelle Header-Video: Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. BVDW / www.youtube.com

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