Creator Marketing für D2C und Tourismus: Warum Nano-Influencer den Unterschied machen
Die Somengo GmbH erweitert ihr Portfolio um Creator Marketing. Im Interview erklären Geschäftsführer André Schmidt und Projektleiterin Ella Fuhrmann, warum gerade D2C-Marken und Tourismusunternehmen von Influencer-Kooperationen profitieren und warum Reichweite allein nicht reicht.
Jena, 07. Juli 2026 – Der Markt für Creator Marketing in Deutschland wächst rasant. Laut Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und Statista Advertising & Media Outlook liegen die Ausgaben 2025 bei über 718 Millionen Euro – mit einer Prognose von mehr als einer Milliarde Euro bis 2030. Gleichzeitig zeigt die aktuelle radar-Studie der pilot Agenturgruppe: Zwei Drittel aller Social-Media-Nutzer in Deutschland sind durch Creator auf neue Produkte aufmerksam geworden. 38 Prozent haben das empfohlene Produkt später auch gekauft. Besonders hoch ist das Vertrauen bei den Themen Ernährung, Kochen und Reisen.
Somengo, die inhabergeführte Social-Media-Agentur aus Jena, hat Creator Marketing jetzt als eigenständiges Geschäftsfeld in ihr Portfolio aufgenommen. Lisa Müller aus dem Marketing- und PR-Team hat mit Gründer André Schmidt und Projektleiterin Ella Fuhrmann über die Hintergründe, die Strategie und den konkreten Mehrwert für D2C-Marken und Tourismusunternehmen gesprochen.
André, Somengo gibt es seit 2011. Warum kommt Creator Marketing gerade jetzt als eigenes Geschäftsfeld dazu?
André Schmidt (Geschäftsführer): Weil der Markt jetzt reif dafür ist und weil unsere Kunden es zunehmend nachfragen. Vor drei Jahren war Influencer Marketing für viele mittelständische Unternehmen noch ein Experiment: Man hat einem Creator ein Paket geschickt und gehofft, dass etwas passiert. Heute erwarten Kunden messbare Ergebnisse. Sie wollen wissen, was eine Kooperation in Reichweite, Neukunden und Umsatz gebracht hat. Und genau das können wir jetzt liefern: Datengetrieben und mit klaren KPIs wie Cost per Mille, Engagement Rate und Return on Ad Spend.
Was hat sich am Markt verändert, das diesen Schritt möglich macht?
André Schmidt (Geschäftsführer): Die Tools sind besser geworden. Wir können heute per Software innerhalb von Stunden passende Creator für eine Marke identifizieren und deren Performance-Daten auswerten (Engagement Rate, Zielgruppendemografie, Fake-Follower-Anteil). Zudem sind die Creator selbst professioneller. Nano-Influencer mit 3.000 Followern liefern heute Content auf einem Niveau, das vor fünf Jahren nur Agenturen konnten. Gleichzeitig sind die Kosten gefallen. Laut aktuellen Erhebungen von Influee ist der durchschnittliche CPM bei Creator-Kooperationen im Jahresvergleich um 53 Prozent gesunken, während die Preise für Paid Social auf Meta und TikTok weiter steigen. Das verschiebt die Wirtschaftlichkeit klar zugunsten von Creator Marketing.
Ella, du leitest das neue Geschäftsfeld. Warum setzt ihr auf Nano-Influencer statt auf die großen Namen?
Ella Fuhrmann (Projektleitung Creator Marketing): Weil Vertrauen wichtiger ist als Reichweite. Die radar-Studie der pilot Agenturgruppe hat das gerade erst bestätigt: Die meisten Käufe nach einer Creator-Empfehlung passieren nicht sofort, sondern nach weiterer Recherche. Das heißt, der Creator muss einen echten Impuls setzen und der entsteht durch Glaubwürdigkeit, nicht durch Followerzahlen. Nano-Influencer mit 1.000 bis 10.000 Followern erzielen Engagement-Raten von vier bis acht Prozent. Bei Makro-Influencern mit über 100.000 Followern liegt die Rate unter einem Prozent. In kleinen Communities wirkt eine Empfehlung wie ein Tipp von einer guten Freundin. Bei großen Accounts wirkt es schnell wie Werbung.
Welchen konkreten Mehrwert hat Creator Marketing für D2C-Marken – also Unternehmen, die direkt an Endkunden verkaufen?
Ella Fuhrmann (Projektleitung Creator Marketing): Auf jeden Fall authentische Neukundengewinnung. Wenn ein Food-Creator ein Produkt in seiner Küche zeigt und ehrlich darüber spricht, entsteht ein Vertrauen, das keine Werbeanzeige erzeugen kann. Laut Studien des Influencer Marketing Hub liegt der durchschnittliche Return on Investment bei 5,78 Euro pro investiertem Euro. Das ist mehr als bei den meisten klassischen Werbekanälen. Ein weiterer Mehrwert liegt in der Content-Produktion. Jede Creator-Kooperation liefert authentischen Content, den die Marke anschließend als sogenannte UGC Ads über Paid Social weiterverwenden kann. Solche Anzeigen erzielen laut Meta-Benchmarks 30 bis 50 Prozent höhere Klickraten als klassische Marken-Creatives. Und natürlich liefert es Zielgruppen-Insights. Wir sehen im Reporting genau, welche Produkte, welche Formate und welche Botschaften bei welcher Zielgruppe am besten funktionieren. Das sind Daten, die auch für die gesamte Marketingstrategie wertvoll sind.
Kannst du das an einem Beispiel greifbar machen?
Ella Fuhrmann (Projektleitung Creator Marketing): Nehmen wir eine Bio-Lebensmittelmarke, die Knochenebrühe und Gewürze über einen eigenen Onlineshop verkauft. Die pilot-Studie zeigt, dass Empfehlungen zu Ernährung und Kochen das höchste Vertrauen genießen. Das ist also genau die richtige Kategorie. Wir würden zehn bis fünfzehn Nano-Creator aus den Nischen Clean Eating, Meal Prep und Ramen-Enthusiasten auswählen. Jeder bekommt ein Produktpaket und ein Briefing, das authentischen Content ermöglicht: Kein Skript, sondern Leitplanken. Daraus entstehen Rezept-Videos, Unboxings und Koch-Tipps, die in den Communities geteilt werden. Wir messen Reichweite, Engagement, Klicks und Conversions, identifizieren den Content mit der höchsten Performance und spielen ihn dann als Paid Ad über Meta und/oder TikTok an eine breitere Zielgruppe aus. So entsteht ein geschlossener Kreislauf von organischer Authentizität bis zum skalierbaren Umsatz.
Und wie sieht der Mehrwert im Tourismus aus? Das ist ja eine ganz andere Branche.
André Schmidt (Geschäftsführer): Im Tourismus ist Creator Marketing sogar noch näher am Kernprodukt, weil Reisen von Natur aus visuell und emotional ist. Wenn jemand auf Instagram zeigt, wie er morgens durch den Thüringer Wald wandert, abends in einem kleinen Gasthaus sitzt und das Ganze authentisch erzählt – dann ist das wirkungsvoller als jeder Katalog. Wir betreuen die Thüringer Tourismus GmbH sowie diverse Ministerien in Thüringen. Somit kennen wir also die Anforderungen der öffentlichen Hand und wissen, wie Tourismusmarketing auf Social Media funktioniert. Creator Marketing ist hier der logische nächste Schritt.
Was kann Creator Marketing, was klassische Tourismuswerbung nicht kann?
Ella Fuhrmann (Projektleitung Creator Marketing): Das sind aus meiner Sicht vor allem drei Dinge. Erstens: Nischenzielgruppen erreichen. Ein Reise-Creator mit 5.000 Followern, der sich auf Wandern in Mittelgebirgen spezialisiert hat, erreicht genau die Menschen, die sich für den Thüringer Wald oder den Harz interessieren. Eine breite Anzeigenkampagne kann bis zu 95 Prozent Streuverlust produzieren. Zweitens: Saisonale Impulse setzen. Tourismusregionen kämpfen mit Saisonalität. Creator-Kampagnen in der Nebensaison können gezielt zeigen, warum ein Ziel auch im November reizvoll ist. Drittens: User Generated Content für die eigenen Kanäle. Tourismusverbände haben oft zu wenig aktuellen, authentischen Content. Creator liefern genau das und das Material kann mit den entsprechenden Nutzungsrechten auf den eigenen Kanälen weiterverwendet werden.
Ersetzt Creator Marketing dann andere Kanäle, zum Beispiel klassische Anzeigen oder Printwerbung?
André Schmidt (Geschäftsführer): Nein, und das ist uns wichtig. Die aktuelle EHI-Studie Atlas der Kanalrelevanz 2026 zeigt klar: Verbraucher informieren sich über viele verschiedene Touchpoints gleichzeitig, digital und analog. 60 Prozent stufen digitale Kanäle als relevant ein, 55 Prozent weiterhin auch gedruckte Formate. Creator Marketing ist ein Baustein im Kanalmix, kein Ersatz. Eine Creator-Empfehlung schafft oft den ersten emotionalen Kontakt mit einem Produkt oder einer Destination. Gekauft oder gebucht wird dann vielleicht über die Website, nach einer Google-Suche oder nach einem Gespräch mit Freunden. Wer nur den letzten Klick misst, unterschätzt den Wertbeitrag von Creator Marketing systematisch. Deshalb messen wir kanalübergreifend und koppeln Creator-Content gezielt mit den weiteren Touchpoints unserer Kunden.
Stichwort Messbarkeit: Wie stellt ihr sicher, dass der Kunde weiß, ob sich die Investition gelohnt hat?
Ella Fuhrmann (Projektleitung Creator Marketing): Jede Kampagne bekommt ein standardisiertes Reporting mit harten KPIs: Reichweite, Impressions, Engagement Rate, Klicks, Conversions und, wo möglich, den tatsächlichen Umsatz. Darüber hinaus messen wir den CPM, also die Kosten pro tausend Kontakte, den Cost per Engagement und den ROAS. Jeder Creator bekommt einen individuellen Trackinglink oder Gutscheincode, sodass wir genau nachvollziehen können, welcher Creator welche Ergebnisse liefert. Und ganz wichtig: Wir liefern nicht nur Zahlen, sondern leiten daraus konkrete Empfehlungen ab. Welcher Content hat am besten funktioniert? Welcher Creator sollte für die nächste Kampagne wieder gebucht werden? Wo lohnt sich Paid Amplification? Unser Anspruch ist, dass der Kunde nicht nur ein Reporting bekommt, sondern eine Entscheidungsgrundlage.
Eine letzte Frage: Es gibt inzwischen viele Agenturen, die Influencer Marketing anbieten. Was macht Somengo anders?
André Schmidt (Geschäftsführer): Wir kommen aus dem Social-Media-Marketing – seit über 14 Jahren. Das heißt, wir verstehen nicht nur, wie man Creator bucht, sondern auch, wie Content auf den Plattformen funktioniert, wie Algorithmen Inhalte ausspielen und wie man organische Reichweite in messbaren Umsatz verwandelt. Außerdem bieten wir auch Social Advertising an. Das bedeutet: Wir können den kompletten Kreislauf abbilden, vom Creator-Briefing über die Content-Produktion bis zur Paid-Distribution des besten Contents als Werbeanzeige. Diese Verbindung von authentischem Creator-Content und datengetriebener Performance ist das, was uns von reinen Influencer-Vermittlern unterscheidet. Und ehrlich gesagt: Wir arbeiten nur mit Kunden zusammen, bei denen wir glauben, dass Creator Marketing einen echten Unterschied machen kann. Wenn es nicht passt, sagen wir das auch.
Das Interview führte Lisa Müller, Marketing & PR bei der Somengo GmbH.
Über die Somengo GmbH
Die Somengo GmbH ist eine inhabergeführte Social-Media-Agentur mit Sitz im JenTower in Jena (Thüringen). Seit 2011 betreut das Team von über 30 Spezialistinnen und Spezialisten Kunden aus Wirtschaft und öffentlicher Hand – darunter mehrere Thüringer Landesministerien, die Sächsische Staatskanzlei und die Thüringer Tourismus GmbH. Das Leistungsspektrum umfasst Social-Media-Strategie, Content-Kreation, Community Management, Social Advertising und Creator Marketing. Weitere Informationen unter www.somengo.de.
Lisa Müller
Marketing & PR
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