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Für mehr Realität auf Social Media – Poparazzi als Alternative für Instagram und Co.?

Samantha Bröse
16. März 2023 

Zwischen Faceapp, Filtern und Co. sind reale, unbearbeitete Bilder in sozialen Netzwerken inzwischen eine Rarität. Bei vielen Usern wird der Wunsch nach mehr Realität immer lauter und Trend-Apps wie BeReal versuchen, Plattformen für ungefilterte Inhalte zu bieten. Eine App, die sich ebenfalls vom auf Hochglanz polierten Content auf den gängigen Social-Media-Kanälen abgrenzen will, ist Poparazzi. Kann die App nach drei Jahren Anlaufzeit jetzt ihren großen Durchbruch feiern?

Worum geht es bei Poparazzi?

Das Audio Social Network TTYL begründete den „Anti Selfie Club“ Anfang 2021 mit ihrer neuen App Poparazzi. Im Gegensatz zu Instagram, wo Filter fast schon zum guten Ton gehören, könnt Ihr bei Poparazzi nicht selbst Fotos und Selfies von Euch posten. Stattdessen können andere Nutzer*innen Inhalte von posten, die dann auf Eurem Profil sichtbar werden – Nutzer*innen fungieren quasi als „Paparazzi“ ihrer Freundinnen und Freunde. Dies ermöglicht eine Verbindung mit „echten“ Freund*innen und soll den Druck nehmen, nur „perfekte“ Momente posten zu müssen. Sollte die Inhaberin oder der Inhaber des Profils unzufrieden mit einem Foto von sich sein, kann er oder sie dieses auch löschen. Zudem könnt Ihr Euer Profil auch auf privat stellen, sodass nur bestimmte Personen dort Fotos posten können.

Wie ist die Plattform aufgebaut?

Die App hat eine ähnliche optische Gestaltung wie Instagram. Ihr habt einen persönlichen Feed, eine Suchfunktion, einen Benachrichtigungsbereich sowie Euer eigenes Profil. Auch die Postings erinnern an Facebook oder Instagram. Über dem Foto ist vermerkt, wer darauf zu sehen ist und wer es veröffentlicht hat. Darunter findet Ihr verschiedene Reaktionen, die in Form von Emojis vergeben werden können. Zudem können animierte GIFs aus bis zu 9 einzelnen Bildern gepostet werden. Captions unter den Bildern oder eine Follower-Anzeige im Profil sucht man dagegen vergeblich.

Screenshot Poparazzi AppQuelle: https://www.poparazzi.xyz

Um Euren Follower-Kreis zu erweitern, schlägt Euch die App Kontakte vor, die ebenfalls Poparazzi nutzen. Zum optimalen Nutzungserlebnis gibt die App Euch auch Herausforderungen, die Euch Anregungen für Inhalte geben.

Wo ist der Haken?

Obwohl die App in den USA bereits 5 Millionen Mal installiert wurde, ist sie immer noch iOS-exklusiv und hat Probleme mit langen Ladezeiten, insbesondere bei älteren Geräten. Wenn es darum geht, ungefragt Fotos von anderen Personen zu veröffentlichen, kommt unweigerlich ein weiterer wichtiger Punkt ins Spiel: Der Datenschutz. Allein die Tatsache, dass jederzeit jemand ein peinliches Foto postet, auf das man selbst keinen Einfluss hat, gleicht für viele schon einem Albtraum. Doch Prinzip der App ist nicht nur auf persönlicher Ebene problematisch. Nach dem Kunsturhebergesetz dürfen Fotos von Personen nur mit deren Einwilligung veröffentlicht werden. Jede und jeder, der sich bei Poparazzi anmeldet, sollte sich dessen bewusst sein, dass die App keine Zustimmung für die Veröffentlichung von Fotos voraussetzt. Ein weiterer, aus datenschutzrechtlicher Sicht problematischer Punkt ist, dass die App Zugriff auf Euer Telefonbuch hat und Eure Kontakte ungefragt an Poparazzi weitergibt. Für diese Vorgehensweise wurde auch schon die Hype-App Clubhouse – zurecht – kritisiert.

Hat Poparazzi Potenzial, mehr als nur ein Trend zu sein?

Da die App bisher vorrangig in der USA gedownloadet wurde, ist abzuwarten, ob sie auch im europäischen Raum zur viralen Sensation wird. Die Konkurrenz ist sehr groß. So hat BeReal Poparazzi bereits im letzten Jahr schnell überholt. Für Unternehmen könnte die App vielleicht ein interessanter Ansatz sein, um sich als Arbeitgebermarke zu stärken. Besonders die Generation Z, die die App bevorzugt nutzt, könnte davon profitieren, wenn Ihr über die Plattform authentische Einblicke in Euren Arbeitsalltag gebt. Eure Mitarbeitenden können sich Accounts anlegen und gegenseitig bei der Arbeit, in der Mittagspause oder beim Kaffee holen fotografieren. Als Zusatz kann man die Profile auf anderen Kanälen spiegeln, um die Aufmerksamkeit der App zu steigern. Ein Unternehmensaccount im herkömmlichen Sinne wäre aber nur realisierbar, wenn Personen aus dem Unternehmen diesen quasi als Corporate Influencer mit Fotos füllen. Hier stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, das Posten von Beiträgen auf dem Unternehmensprofil komplett in die Hände der Mitarbeitenden zu geben. Hierfür ist ein hohes Maß an Vertrauen wichtig. Darüber hinaus gibt es kaum Möglichkeiten für Unternehmen, da die Funktionen der Plattform recht eingeschränkt sind. Es gibt keine Business-Profile, Werbeanzeigen oder Möglichkeiten, externe Inhalte zu verlinken. Daher könnte Poparazzi – wenn überhaupt – nur als Employer Branding-Kanal eine Rolle spielen.

Auf lange Sicht hat Poparazzi Potenzial, muss aber noch an einigen Problemen feilen. Das Network TTYL tüftelt weiter an der Entwicklung neuer Funktionen. Erst kürzlich optimierten sie den Datenschutz und die Cyber Sicherheit. Die Erstellung privater Accounts und eine Android-Version könnten zu einer Erweiterung der Nutzerbasis führen. Ob Poparazzi jedoch dauerhaft erfolgreich wird, bleibt abzuwarten.


Ihr habt Fragen zu Poparazzi, Anmerkungen oder Themenwünsche? Schreibt uns gern an hallo@somengo.de, via Instagram Direct oder im Facebook Messenger. Wir freuen uns auf Eure Nachrichten!

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