Mit einer Einschätzung unserer Social Media Managerin Jasmin

2020 lief in vielerlei Hinsicht anders als geplant. Auch in der Social-Media-Welt haben sich die Prioritäten verschoben und die Corona Pandemie wirkte auf einige Updates wie ein Katalysator, während andere Funktionen wiederrum unwichtiger wurden. Wie sich das vergangene Jahr auf die Social-Media-Trends 2021 auswirkt und was Ihr in Eurem Social Media Marketing für das kommende Jahr beachten müsst, zeigen wir Euch in diesem Beitrag. Außerdem erklärt Social Media Managerin Jasmin, wie das Social-Media-Jahr 2020 für sie war und welche Trends sie für 2021 erwartet.

Jasmin, was war für Dich der wichtigste Trend, der 2020 das Social Media Marketing von Unternehmen geprägt hat?
Für mich hatten Stories in allen Formen einen wichtigen Anteil im Social Media Jahr 2020. Nicht nur auf Instagram sind sie eine hervorragende Möglichkeit seinen Content zu teilen. Auch auf LinkedIn & Twitter sind die Funktionen mittlerweile freigeschaltet. Meiner Meinung nach waren die Stories gerade in diesem Jahr so erfolgreich, weil viele User so auch zu Hause das Gefühl hatten, ein wenig am Alltag der Unternehmen und Personen teilzunehmen. Das hat, wie ich finde, einen „Social Touch“. Die kurzen Updates sind zudem vergänglich – ebenfalls ein wesentlicher neuer Faktor in der Social Media Welt, da die Nutzer nichts verpassen möchten und die Stories regelmäßig checken.

Inwiefern hat Corona das Social Media Marketing verändert?

Die vier C des Social-Media-Contents

Jetzt, wo das Jahr 2020 sich seinem Ende zuneigt wird klar: Covid-19 wird unser aller Leben noch bis in das Jahr 2021 hinein beeinflussen. Marken und Unternehmen müssen ihre Kommunikation dementsprechend anpassen. Daraus ist ein neues Modell entstanden, das die „4 C“ des Social-Media-Content beinhaltet. Sie lauten:

  • Community (Gemeinschaft)
  • Contactless (kontaktlos)
  • Cleanliness (Hygiene/Sauberkeit)
  • Compassion (Mitgefühl)

Diese Werte sind sowohl in der Art und Weise des Marketings als auch in den Inhalten selbst gespiegelt. Wer sich über diese vier Punkte Gedanken macht und sie in seine Markenkommunikation einfließen lässt, ist nicht nur ein guter Partner in einer schwierigen Situation, sondern profitiert auch vom Zeitgeist. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt.

Nostalgie-Marketing: Die Vertrautheit des Alten

Früher war alles besser – diese Aussage bekommt angesichts des schwierigen Jahres 2020 wieder mehr Bedeutung für viele Menschen. Auch in der digitalen Welt ist das Interesse an Retro und Nostalgie so groß, wie lange nicht mehr. Es ist nichts Neues, dass sich Menschen gerne an die „gute alte Zeit“ zurückerinnern. Nicht wenige sind sogar bereit, mehr Geld für ein Produkt zu zahlen, wenn sie sich durch dieses in die Vergangenheit zurückversetzt fühlen. Da ist es nicht verwunderlich, dass dieses Bedürfnis gerade in Krisenzeiten besonders groß ist. Diese Nostalgie wird 2021 auch im Marketing verstärkt ankommen. Unternehmen werden ihre Produkte als Träger jener Werte darstellen, die im Jahr 2020 vermeintlich verloren gingen: Sicherheit, Freiheit und Gesundheit. Unternehmen, die mit ihren Inhalten in der Vergangenheit schwelgen, dürften 2021 damit Erfolg haben. Zu beachten ist aber, dass der Social-Media-Content dann meist nur in einer bestimmten Altersklasse in der Zielgruppe funktioniert.

Mehr Social Media Nutzung, auch bei Babyboomern

Die Internetnutzung und die Nutzung von Social Media hat seit Beginn der Pandemie überall stark zugenommen. Besonders soziale Medien helfen – wie der Name schon sagt – in Zeiten weitreichender Kontaktbeschränkungen, mit Freunden und Familien in Verbindung zu bleiben, das öffentliche Geschehen zu verfolgen und Unterhaltung und Zerstreuung zu finden. Die verstärkte Nutzung trifft auf alle Altersgruppen gleichermaßen zu. Insgesamt geben 75% der Befragten in einer Studie von Bitkom an, dass sie Facebook, Instagram, TikTok und Co. seit Ausbruch des Coronavirus intensiver nutzen als zuvor. Auch die Nutzung von Messenger-Diensten hat zugenommen. Unternehmen sollten daher auch diese in ihrer Marketing-Strategie nicht außen vorlassen.

Infografik zur Social Media Nutzung seit Beginn der Corona Pandemie

Quelle: bitkom.org (eigene Darstellung)

Der Kampf gegen Fake News wird wichtiger

Seit Februar 2020 lässt sich ein drastischer Anstieg der Erwähnung von Begriffen wie „Fake News“, „Fehlinformationen“ oder „Verschwörungstheorie“ beobachten. Hier wirkte die Corona Pandemie wie ein Katalysator. Im Verlauf der Pandemie wurde es zunehmend schwieriger, verlässliche Quellen zu identifizieren. Folglich haben die großen Social-Media-Plattformen ihren Kampf gegen Fake News verstärkt und setzen dabei auf Information und Kontext. Für 2021 bedeutet das: Facebook, Twitter und Co. werden ihren Kampf gegen Fehlinformationen weiter vorantreiben. Für Werbetreibende ist es besonders wichtig, Inhalte mit Bedacht zu teilen und sich als transparente Marke zu etablieren.

Jasmin, inwiefern, denkst Du, hat sich das Social Media Marketing 2020 anders entwickelt als geplant?
Ich glaube, das müsste man sehr branchenspezifisch betrachten. Allgemein denke ich, dass die Rolle von Social Media noch einmal geschärft wurde. Viele sehen es mittlerweile mindestens als gleichgestelltes Medium zu Fernsehen und Zeitung. Gerade die soziale Komponente kommt in der Krisenzeit offline zu kurz, weshalb sie digital noch einmal wichtiger wurde. Ich bin zum Beispiel davon überzeugt, dass Interaktionsmöglichkeiten wie Facebook-Gruppen an größerer Relevanz gewonnen haben. Generell produziert gefühlt ein Großteil der User mehr eigene Inhalte als im letzten Jahr und setzt sich auch aktiver mit den Beiträgen anderer auseinander. Für viele Nutzer/innen wurden die sozialen Medien auch zum wichtigsten Informationskanal. Das ist durch die gegebene Feedback-Möglichkeit auf der einen Seite natürlich gut, andererseits aber auch etwas bedenklich, da Fehlinformationen nur schwer kontrolliert werden können.

Was sind die Social-Media-Trends 2021?

Neben den Trends, die sich aus den oben bereits genannten Punkten ergeben, werden noch weitere Trends 2021 wichtiger werden.

Remixing wird der neue User-generated Content

Durch Apps und Features wir TikTok oder Instagram Reels ist in den sozialen Netzwerken eine neue Kultur des „Remixings“ entstanden. Remixing bezeichnet die Art und Weise, wie Nutzer/innen bereits vorhandene Inhalte so umwandeln, dass etwas Neues entsteht. Die Praxis an sich ist nichts Neues. Neu ist jedoch die Zielgruppe und die Verfügbarkeit. Besonders die junge Social-Media-Generation nutzt die technischen Möglichkeiten dieser Apps, um ihren Interessen und Persönlichkeiten Ausdruck zu verleihen und Inhalte schnell zu verbreiten. Dieser Trend steht derzeit noch in den Startlöchern, doch erste Kampagnen sind nur ein Frage der Zeit. Voraussetzung hierfür ist, dass Marken (gebrandete) Vorlagen für ihre Follower bereitstellen, auf deren Basis diese dann eigene Inhalte kreieren können. So verbreiten diese nicht nur ihre Inhalte, sondern auch die Markenbotschaft des Unternehmens.

Social Gaming: Markenerlebnisse durch Gamification

Physical und Social Distancing sind ein wichtiger Treiber für (gemeinsames) Online-Gaming. Gaming bietet nicht nur eine Fluchtmöglichkeit aus der realen Welt, sondern dient auch dem Austausch, der Kommunikation und dem gemeinsamen Erleben. Beide Faktoren sind in diesem Jahr enorm wichtig für viele Menschen gewesen. Für Marketer bedeutet das in 2021, dass Gaming-Communities sich zu einer immer bedeutenderen Zielgruppe entwickeln, der Marken und Unternehmen Beachtung schenken sollten. Besonders geht es hierbei um den sozialen, interaktiven Aspekt des gemeinsamen Spielens. Die Grenzen zwischen Social Media und Gaming-Plattformen werden also immer weiter verwischen.

Chatbots als persönliche Begleiter

Marketing ist auf den Dialog zwischen Kund/innen und Unternehmen angewiesen. Chatbots sind hierfür inzwischen ein beliebtes Mittel und entwickeln sich schnell weiter. Jedes Unternehmen kann einen automatisierten Gesprächspartner mit wenig Aufwand in die eigene Website oder den Social-Media-Messenger implementieren. Besonders in Zeiten, in denen Geschäfte häufiger geschlossen sind und Verkaufsgespräche sich mehr und mehr in den Online-Bereich verlagern, können Chatbots für Unternehmen einen großen Vorteil bieten.

Future First: Communities und Unternehmen zeigen sich nachhaltig

Der wohl stärkste Trend ist die politische Positionierung von Unternehmen. Marketer erkennen zunehmend, dass die Generation Z und die kommende Generation Alpha sozial- und umweltbewusst sind. Um diese abzuholen, wird es immer wichtiger, sich als Unternehmen mit Themen wie Inklusion, sozialer Gerechtigkeit, psychischer Gesundheit, Gleichstellung und Umwelt- und Klimaschutz zu beschäftigen. Schon in diesem Jahr war zu beobachten, wie Unternehmen immer stärker Haltung zeigen und sich zu gesellschaftlich wichtigen Themen positionieren. Die größte Herausforderung für Unternehmen hierbei ist, über einfache Lippenbekenntnisse hinauszugehen und einen wirklichen Wandel anzustreben.

Jasmin, was wird Deiner Meinung nach einer der wichtigste Social-Media-Trend 2021 für Unternehmen?
Kanalbezogen habe ich das Gefühl, dass LinkedIn immer weiter expandiert. Die Funktionalitäten werden umfangreicher und die Performance auf dem Kanal immer besser/flüssiger. Die letzten Jahre haben auch gezeigt, dass Nischen-Channels an Bedeutung gewinnen, auch hier sehe ich Potenzial für 2021. Inhaltlich könnte ich mir vorstellen, dass der „menschliche Faktor“ und die individuellen Komponenten immer wichtiger für die Kundenbindung werden. Sowohl Influencer und Messenger-Marketing als auch „Behind-the-Scenes“-Inhalte könnten beispielsweise noch zentralere Elemente werden. Ich denke, dass Social Media durch die Krise noch einmal sozialer/menschlicher geworden ist und wir daraus Potenzial gewinnen können.

Drei wesentliche Punkte wirken auf die Social-Media-Trends 2021 ein: Die Veränderung des Nutzungsverhaltens durch die Corona Pandemie, der technische Fortschritt und das Heranwachsen einer neuen Generation. Als Unternehmen solltet Ihr folgende Fragen im Hinterkopf behalten:

  • Wie hat sich die Situation der Kund/innen verändert?
  • Was sind die Bedürfnisse der Zielgruppe?
  • Wie kann eine Marke selbst authentisch, ehrlich und überzeugend sein?

Wichtig ist wie immer, dass Ihr die Bedürfnisse Eurer Zielgruppe nicht aus den Augen verliert und Euer Marketing schnell und flexibel an aktuelle Veränderungen anpasst. Da die Kaufbereitschaft sinkt, solltet Ihr in Eurem Social-Media-Content einen Nutzen, Information, Beratung und Unterhaltung bieten, statt vorrangig Eure Produkte zu bewerben. Unternehmen, die das im Hinterkopf behalten, werden mit ihrem Social Media Marketing letztendlich auch Erfolg haben.


Ihr habt noch Fragen zu den Social-Media-Trends 2021, Ergänzungen oder Themenwünsche für das neue Jahr? Schreibt uns an hallo@somengo.de, via Instagram Direct oder im Facebook Messenger. Wir freuen uns auf Eure Nachrichten!

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