Social Media Seiten werden tagtäglich von Millionen Nutzern besucht. Einen Onlineshop hingegen, rufen wir meist nur auf, wenn wir tatsächlich etwas kaufen wollen. Da liegt es auf der Hand, dass sich die kommerziellen Features in den sozialen Medien kontinuierlich weiterentwickeln. Die Möglichkeit, direkt in der App einzukaufen, bieten inzwischen einige Social Media Plattformen, wie Facebook , Instagram oder Pinterest an und ermöglichen so ein nahtloses und inspirierendes Einkaufserlebnis. Wie also funktioniert Social Commerce? Welche Vorteile bietet es für Euer Unternehmen? Und was hat es eigentlich mit Libra auf sich? Nachfolgend gehen wir genau diesen Fragen auf den Grund.

Social Commerce – der digitale Einkaufsbummel

Social Commerce, oder Social Shopping, ist eine spezielle Form des Internet-Handels, bei dem es in erster Linie um die aktive Beteiligung der Nutzer und deren Beziehungen untereinander geht. Der Vertrieb von Artikeln oder Dienstleistungen erfolgt beim Social Commerce über Social-Media-Kanäle. Die Besonderheit dabei ist, dass die Kunden aktiv in den Onlineshop eingebunden werden und während des Einkaufens miteinander interagieren können. Besonders Kanäle wie Instagram , Facebook, Pinterest oder Snapchat werden immer mehr zu integrierten Verkaufskanälen ausgebaut. Inzwischen machen es die Kanäle sogar möglich, den Kaufvorgang abzuschließen, ohne dass der Kunde dafür erst auf eine externe Webseite weitergeleitet werden muss. 54% der Millenials nutzen Social Media, um sich vor dem Kauf über die Produkte zu informieren. Immerhin 30% der Online- Shoppenden können sich auch vorstellen, direkt über soziale Netzwerke einzukaufen.

Bei Facebook ist dies seit Kurzem z.B. mithilfe des sogenannten „Buy-Now-Buttons“ möglich. Die Nutzerdaten, die bei Facebook hinterlegt wurden, werden verwendet, um die Transaktion abzuschließen und den kompletten Kaufprozess innerhalb der App abzuwickeln. Seit März 2019 bietet auch Instagram die „Checkout-Funktion“ an, mithilfe derer Produkte direkt in der App gekauft werden können. Einige wenige Anbieter und Influencer können die dafür vorgesehenen Buttons bereits in ihre Seiten integrieren. Auch Pinterest und Snapchat ziehen nach. Während Pinterest inzwischen seine „Shop-the-Look-Funktion“ mittels KI zu automatisieren beginnt, kooperiert Snapchat mit Amazon im Bereich Visual Search.

Zu Beginn konnten nur einige ausgewählte Testprodukte, wie Handtaschen, Jeans oder Sneaker über einen Button bestellt werden, ohne die Plattform zu verlassen. Inzwischen ziehen aber immer mehr Marken und Plattformen mit. Der Erflog des Social Commerce ist insbesondere dem visuellen Spaßerlebnis geschuldet. E-Commerce richtete sich bisher eher an die Nutzer, die bereits wissen, was sie kaufen wollen. Social Commerce dagegen verbindet die Suche nach Inspiration und den anschließenden Kauf neuer Produkte, da die Nutzer wie in einem Geschäft die Möglichkeit haben, in den Regalen zu stöbern und die gefundenen Produkte direkt zu kaufen.

China als Vorreiter

Wie Social Commerce in der Praxis aussehen kann, macht China vor. Ca. 70 Prozent der chinesischen „Generation Z“ geben an, direkt in Social Media einzukaufen. Sie folgen Influencern oder kaufen Produkte durch einen Klick auf Links in Live-Videos. In China sind dadurch viele Social-Media-Kanäle inzwischen zu Shopping Plattformen geworden, bei denen friktionslos und einfach bezahlt werden kann. Ein großer Anteil der Zahlungen wird dort über Onlinebezahlsysteme, wie Alipay, TenPay oder WeChatPay abgewickelt. Inwiefern dieses Prinzip auch in Deutschland übernommen werden kann, ist jedoch noch fraglich. Denn während in China Zahlungsmethoden via Smartphone längst Normalität sind, wird in Deutschland das Teilen von persönlichen Daten mit Handelsunternehmen wesentlich kritischer betrachtet. Das Potential für die Nutzung von Social Commerce nach chinesischem Vorbild ist aber besonders bei der Generation Z in jedem Fall gegeben.

Welche Vorteile bietet Social Commerce für Euer (B2B-)Unternehmen und wie setzt Ihr es erfolgreich ein?

Nutzer wollen heutzutage nicht mehr ihre kostbare Zeit damit verbringen, lange nach Produkten zu suchen, sondern sie im besten Fall direkt präsentiert bekommen und sofort kaufen. Besonders für Unternehmen in Branchen wie Mode, Home, Deko oder Kosmetik, deren Produkte häufig ein spontanes und impulsives Kaufverhalten auslösen, eignet sich daher für Social Commerce. Laut der IFH Köln wurde Ende 2018 bereits jeder vierte verdiente Euro bei Fashion- Verkäufen durch Social Media beeinflusst. Doch auch wenn B2B-Unternehmen eher nicht auf Spontankäufe bauen können, können sie Social Commerce für sich nutzen, wenn auch auf eine etwas andere Weise. Vorteile sind beispielsweise der unmittelbare Kundenkontakt, die Gewinnung von Neukunden, eine stärkere Kundenbindung sowie die Möglichkeit, Kunden in Vertriebskampagnen einzubeziehen. Oftmals vermissen B2B-Kunden noch das persönliche und komfortable Einkaufserlebnis, das sie aus ihrem privaten Online-Shopping-Umfeld gewohnt sind. Im B2B-Bereich geht es also nicht primär darum, ein Produkt direkt zu verkaufen, sondern darum, dass Ihr eine Beziehung zu (potenziellen) Kunden aufbaut. Mithilfe der präzisen Targeting-Funktionen der sozialen Netzwerke habt Ihr die Möglichkeit, genau die Menschen anzusprechen, die sich für Euer Thema interessieren und damit zur Zielgruppe gehören. Indem Ihr sie regelmäßig mit qualitativ hochwertigen Inhalten versorgt und so Eure Expertise unterstreicht, könnt Ihr Vertrauen schaffen, um sie so langfristig zu binden. Auch der Austausch der Kunden untereinander, beispielsweise in Communities oder in Produktbewertungen ist in dieser Hinsicht relevant, da dort Produkte oder Services empfohlen sowie Verbesserungen angeregt werden können.

In diesem Beitrag haben wir Euch in das Thema Social Commerce eingeführt und geklärt, wie Ihr es für Euer Unternehmen einsetzen könnt. Im zweiten Teil des Betrags werden wir auf folgende Fragen eingehen: Wie funktionierten der Check-Out und die Bezahlung in sozialen Netzwerken? Und was genau ist eigentlich Libra?